Dienstag, 16. September 2008

Na dann Prost: Der Pannen-Wahlkampf der CSU

Eigentlich ist der CSU überhaupt nicht zum Feiern zumute. Aber es ist ein Pflichttermin, und so wird Bayerns CSU-Ministerpräsident Günther Beckstein morgen nach Berlin reisen und am Alexanderplatz das Hauptstadt-Oktoberfest eröffnen. Die Kanzlerin hat sich angekündigt, der Vizekanzler ebenfalls. Die restlichen Tischreihen sind vorwiegend für Abgeordnete reserviert, die bei einer oder zwei Maß Bier über den Ausgang der bayerischen Wahl spekulieren dürfen.

Zwei Maß, dass ist bekanntlich der Füllstand, den der langjährige CSU-Innenminister Beckstein selbst einem gesetzestreuen Autofahrer noch durchaus zutrauen würde. Jedenfalls hat der forsche Franke unlängst in Erding (wo sonst?) erklärt: "Es ist nicht das Problem, wenn einer eine Maß trinkt, oder wenn er ein paar Stunden da ist, auch zwei..." Die unbedarfte Bemerkung ihres Spitzenkandidaten bringt die Bayernpartei zusätzlich in Bedrängnis. Auch ohne den verbalen Alkohol-Exzess: Die CSU ist nicht gerade berauscht von ihrem Erscheinungsbild. Zwei Wochen vor dem Wahlsonntag wächst die Nervosität.

Die Suche nach den und der Schuldigen hat bereits begonnen. Abgeordnete aus Landtag und Bundestag üben massive Kritik an der Münchner CSU-Zentrale und deren Wahlkampfführung. Generalsekretärin Christine Haderthauer muss sich für Pannen und Probleme verantworten. "Unsere Wahlkampagne ist festgefahren. Wir sind nicht in der Lage, auf kurzfristige Stimmungen flexibel zu reagieren", beschwert sich ein Berliner Abgeordneter. In der CSU-Landesgruppe wird allgemein die mangelhafte Mobilisierung beklagt. "Die Thermik fehlt, jetzt droht ein Strömungsabriss", formuliert es ein CSU-Mann in der Fliegersprache.

Bundespolitiker der CSU, die schon bei der Bundestagswahl 2005 unter die magische 50-Prozent-Marke gerutscht war, verfolgen den Endspurt in Bayern mit wachsender Sorge. Die Landtagswahl gilt als Lackmustest für das Superwahljahr 2009. Vor Journalisten widersprach Landesgruppenchef Peter Ramsauer gestern Ministerpräsident Beckstein, der die Große Koalition für mögliche Verluste der CSU in Bayern verantwortlich gemacht hatte. "Wir werden für die Kompromisse, die die Union dort machen muss, in Bayern in Haftung genommen", hatte sich Beckstein beschwert. Ramsauer entgegnete nun, Beckstein sei offenbar falsch verstanden worden. Es handle sich bei seiner Aussage weder um einen Erklärungsversuch, noch um eine vorweggenommene Schuldzuweisung. "Alle entscheidenden Fragen, die in der Großen Koalition beschlossen wurden, sind in den Führungsgremien der CSU abgenickt worden", betonte Ramsauer. "Schon allein deshalb gibt es keine Grundlage dafür, Hinweise auf Berlin zu machen." Den "schwarzen Peter" habe allein die SPD. Durch ihre "Machtkämpfe und Zerfallserscheinungen" werde die Regierungsarbeit belastet.

Die CSU erklärt den Papierkrieg: Haderthauer kündigte an, die Parteizentrale werde ihre Kampagne kurz vor dem Wahltag massiv verstärken - mit Massen-Mails, Annoncen, Flugblättern und Serienbriefen. Als eine wichtige Zielgruppe der CSU nannte sie Senioren. Nach Angaben von Landtagsabgeordneten gab es jedoch ausgerechnet hier bereits die nächste Panne: An Wähler wurden falsche CSU-Briefe verschickt - die angepriesenen Kandidaten stehen in den jeweiligen Stimmkreisen überhaupt nicht zur Wahl.

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